6 Mikrofonierung

Das Gelingen einer Aufnahme ist von mehreren Faktoren abhängig.

Einige dieser Parameter (Musiker, Raum) sind eventuell gar nicht oder nur in geringem Maße veränderbar. Durch eine passende Mikrofonierung hingegen wird die Aufnahme immer erheblich beeinflusst.

6.1 Mikrofonauswahl

Die Wahl des richtigen Mikrofons spielt für die Aufnahme eine besonders wichtige Rolle. Denn Frequenzen und Dynamik, die nach der Aufnahme nicht auf dem Band sind, lassen sich nur sehr schwer oder auch gar nicht mehr hinzufügen. Auch Störgeräusche und ein Zuviel an Raumklang lassen sich fast nicht mehr aus einer Aufnahme entfernen. Bei der Wahl der passenden Mikrofone müssen hauptsächlich folgende Dinge entschieden werden: Dabei muss sowohl auf klangliche als auch auf praktische Anforderungen (z. B. Robustheit und Grenzschalldruckpegel) Rücksicht genommen werden.

6.1.1 Wandlerprinzip

  Eigenart Anwendung
dynamische Mikrofone robust für Live-Anwendungen
kein sehr linearer Frequenzgang besonderer Sound ist für bestimmte Aufnahmen gewünscht
verträgt hohe Schalldrücke eignet sich besonders zur Aufnahme von Instumenten die hohe Schalldrücke liefern (beispielsweise: Bass Drum, Blechbläser)
Kondensator - mikrofone empfindlich hauptsächlich für den Studiobetrieb
sehr linearer Frequenzgang für brilliante unverfärbte Aufnahmen

6.1.2 Richtcharakteristik

  Eigenart Anwendung
Kugel ungerichtet (omnidirektional) Aufnahmen bei denen ein natürlicher Raumklang erwünscht ist
zur Aufnahme von Schallquellen, die um das Mikrofon herum verteilt sind
Niere gerichtet
(unidirektional)
Aufnahmen bei denen rückwärtiger (Stör)Schall ausgeblendet werden soll
zur Verringerung des Rückkopplungsrisikos in Live-Situationen
zum Stützen einzelner Instrumentes innerhalb eines Ensembles
"Super- und Hyperniere" gerichtet
zur getrennten Aufnahme von nebeneinanderstehenden Instumenten, wenn der rückwärtige Schall nicht komplett ausgeblendet werden muß
Acht bidirektional zur gleichzeitigen Aufnahme zweier Stimmen, die sich auf gegenüberliegenden Seiten befinden.

6.1.3 einige Aufnahmesituationen und ihre Anforderungen

Produktionen im Studio stellen besonders hohe Anforderungen an die Mikrofone: Ein gutes Bühnenmikrofon hat jedoch ganz andere Eigenschaften: Die Schauspieler werden bei einer Fernsehproduktion meistens mit Mikrofonen geangelt . Fernseh-Studiogäste (beispielsweise einer Talksendung) müssen ebenfalls mittels eines Mikrofons aufgenommen und verstärkt werden. Außenaufnahmen (beispielsweise ein Nachrichtenreporter) finden oft in einer relativ lauten und mehr oder weniger windigen Umgebung statt: 6.2 Positionierung des Mikrofons

Den „besten Platz“, um ein Mikrofon aufzustellen, gibt es nicht! An welcher Position das Mikrofon den gewünschten Sound liefert, hängt in großem Maße von der Art des aufzunehmenden Sounds (beispielsweise Sprache, U-Musik , E-Musik , Hörspiel) und dem Geschmack der Künstler und des Toningenieurs ab. Dennoch werden in den folgenden Kapiteln Anhaltspunkte für die Mikrofonierung einiger Instrumente gegeben.

6.2.1 Abstrahlcharakteristik einiger klassischer Instrumente

Instrumente werden bei der Tonerzeugung zu Schwingungen unterschiedlicher Frequenz angeregt. Die Schwingungen des Instrumentes versetzen die angrenzende Luft in Schwingung und die Schallwelle kann sich fortpflanzen. Der Korpus eines Instrumentes schwingt jedoch nicht an jeder Stelle für alle Frequenzen gleich gut. Jedes Instrument hat eine besondere sogenannte Abstrahlcharakteristik; je nachdem welcher Ton gespielt wird, breiten sich die Schallwellen unterschiedlich aus. Bei der Mikrofonierung eines Instrumentes ist es sehr vorteilhaft, die speziellen Abstrahlcharakteristika zu kennen und die Mikrofone an den passenden Stellen aufzustellen. Auch wenn die Abstrahlcharakteristik des Instrumentes bekannt ist, ist es empfehlenswert, den Klang durch kleine Positions- und Winkelveränderungen des Mikrofons zu optimieren. Die folgenden Abbildungen zeigen verschiedene Abstrahlcharakteristika am Beispiel einiger klassischer Instrumente.

6.2.1.1 Klarinette

Abb. 6.1: Abstrahlverhalten einer Klarinette bei verschiednen Frequenzen Exemplarisch für alle Holzblasinstrumente zeigt Abbildung 6.2 eine Klarinette; dargestellt ist, wo welche Frequenzanteile besonders stark abgestrahlt werden. Um einen möglichst ausgewogenen Klang auf der Aufnahme zu erzielen, sollte das Mikrofon nicht zu dicht am Instrument aufgestellt werden. Auch die Klappen- und Anblasgeräusche nehmen mit steigender Entfernung ab.

6.2.1.2 Violine

Abb. 6.2: horizontales Abstrahlverhalten einer Violine bei verschiedenen Frequenzen Stellvertretend für die Gruppe der Streichinstrumente ist hier die Geige abgebildet. Wie alle Streichinstrumente hat die Geige ein sehr unregelmäßiges Abstrahlverhalten; die einzelnen Frequenzen breiten sich an verschiedenen Stellen und mit einem unterschiedlichen großen Abstrahlwinkel aus. Ein homogener Klang entwickelt sich daher erst in einiger Entfernung vom Instrument.
Abb. 6.3: vertikales Abstrahlverhalten einer Violine bei verschiedenen Frequenzen Wie in Abbildung 6.3 zu sehen ist, werden die Töne besonders gut von der Decke der Streichinstrumente abgestrahlt. Es ist daher empfehlenswert die Mikrofone mit einem großen Abstand (> 1 m) über dem Instrument anzubringen. Je dichter das Mikrofon am Instrument steht, desto mehr Griff- und Bogengeräusche werden auf der Aufnahme zu hören sein. Die genaue Höhe ist sehr stark vom Raum, von den umliegenden Geräuschen (Solobeitrag oder Ensemblestück) und von der Musik abhängig.

6.2.2 Mikrofonierung

In den folgenden Abschnitten werden die Mikrofonierungen für einige typische U-Musik-Instrumente erläutert. Es handelt sich hierbei jedoch nur um Anhaltspunkte! Um einen guten Klang zu erzielen muss viel mit der genauen Position des Mikrofons experimentiert werden. Schon kleine Abweichungen der Position und des Winkels können den Klang erheblich verändern.

6.2.2.1 Akustische Gitarre

Abb. 6.4: Die Schwingungen der Saiten einer akustischen Gitarre gelangen durch das Schallloch der Gitarre in den Gitarrenkorpus, der als Resonanzkörper wirkt. Die hohen Frequenzen werden hauptsächlich von der Gitarrendecke abgestrahlt, die tiefen vom Schallloch. Je näher das Mikrofon am Schallloch positioniert wird, desto tieffrequenter wird der Klang. Je nach Geschmack muss mit der genauen Position des Mikrofons vor der Gitarre und auch mit dem Abstand zur Gitarre experimentiert werden. Für den Einsatz auf der Bühne wird das Signal einer akustischen Gitarre oft mit einem Tonabnehmer abgegriffen. Es kann dann direkt über einen Verstärker oder über eine DI-Box und ein Mischpult verstärkt werden.

6.2.2.2 E-Gitarre

Abb. 6.5: Beispiel einer Mikrofonierung einer elektrischen Gitarre Eine elektrische Gitarre hat einen ausgesprochen schlechten Resonanzkörper, der zu Schwingungen angeregt werden kann. Die Schwingungen der Instrumentensaiten werden deshalb mittels eines Tonabnehmer in elektrische Signale umgewandelt. Diese Spannung muss nun auf eine andere Art und Weise abgenommen werden: Abb. 6.6: verschiedene Mikrofonpositionen vor der Membran eines Lautsprechers Das Mikrofon sollte möglichst dicht an der Membran stehen. Der Nahbesprechungseffekt kann so zur Wirkung kommen und sorgt für eine Tiefenanhebung. Auch die Position des Mikrofons vor der Lautsprechermembran ist für den Klang entscheidend: Auch hier liefert eine Position in der Mitte für die meisten Anwendungen das beste Ergebnis.

Live-Anwendung

Auf der Bühne sind dynamische Mikrofone empfehlenswert; sie sind klangformend und robuster als Kondensatormikrofone.

Studio-Betrieb

Bei einer Produktion im Studio, kann mit zusätzlichen Mikrofonen experimentiert werden. Beispielsweise liefert ein extra (Kondensator-)Mikrofon, das vor die Bassreflexbox des Gitarrenamps gestellt wird sehr gute Ergebnisse. So können zusätzliche tiefe Frequenzen aufgenommen werden, die dem Signal des anderen Mikrofons zugemischt werden können. Auch ein oder mehrere Raummikrofone können sich sehr positiv auf den Klang der Aufnahme auswirken.

6.2.2.3 E-Bass

Abb. 6.7: Beispiel einer Mikrofonierung eines elektrischen Basses Für die Aufnahme des Bass-Sounds, gilt das selbe wie für die Aufnahme einer E-Gitarre. Allerdings wird hier im Live-Betrieb sehr häufig auf den Einsatz einer DI-Box zurückgegriffen. Das Bass-Signal kann dabei direkt aus dem Instrument in die DI-Box geführt werden. Das Zwischenschalten eines Verstärkers ist nicht unbedingt erforderlich. Im Studio kann sich ein zusätzliches Mikrofon vor dem Hochtöner positiv auf die Präsenz des Basses auswirken.

6.2.2.4 Schlagzeug

Alle Instrumente eines Drum Sets können nah am Instrument erhebliche Schalldrücke erzeugen. Es muss darum unbedingt darauf geachtet werden, dass die Grenzschalldruckpegel der verwendeten Mikrofone dieses Pegel aushalten können. Dynamische Mikrofone sind daher besonders gut für Schlagzeugaufnahmen geeignet. Die einzelnen Trommeln am Schlagzeug (Bassdrum, Snaredrum, Toms) haben für unterschiedliche Frequenzen unterschiedliche Abstrahlcharakteristika: Es gibt sehr viele Möglichkeiten, ein Schlagzeug abzunehmen. Es kann mit einem Stereomikrofon aufgenommen werden, oder auch jedes einzelne Instrument mikrofoniert werden.

Trommeln

Abb. 6.8: Bassdrum

Das Mikrofon der Bassdrum sollte im Instrument relativ dicht (ca. 5 cm) am Fells platziert sein. Je nachdem auf welche Stelle des Fells die Membran ausgerichtet ist, verändert sich der Klang: Toms

Abb. 6.9: Wie in der nebenstehenden Abbildung zu sehen ist, werden die Tom-Mikros möglichst dicht am Fell platziert. Auf diese Art kann sich der Nahbesprechungseffekt auf die tiefen Frequenzen auswirken und die Bässe haben mehr Druck. Auch hier kann der Anteil der hohen Frequenzen dadurch erhöht werden, dass das Mikrofon auf die Mitte des Fells gerichtet wird. Zwei dicht nebeneinander stehende Toms können gegebenenfalls mit einem Mikrofon abgenommen werden.

Snaredrum

Eine Snaredrum wird ähnlich mikrofoniert wie die Toms: möglichst dich am Fell und je nach Soundwunsch mehr oder weniger stark auf die Mitte des Fells ausgerichtet. Um die Brillanz des Snare-Teppichs besser herausarbeiten zu können, kann zusätzlich ein Mikrofon unter der Snare platziert werden: Becken

Auch die vom Becken abgestrahlten Frequenzen variieren in Abhängigkeit von der Position auf der Oberfläche des Beckens: Hi Hat

Die Hi Hat besteht aus zwei Becken, die aufeinanderschlagen. Dabei entweicht Luft aus der Hi Hat. Sie hinterlässt auf der Aufnahme unschöne Windgeräusche. Das Mikrofon der Hi Hat muss daher in einem Abstand von ca. 10 bis 20 cm von oben auf den Rand der Hi Hat ausgerichtet sein.

Ride-Becken

Für die Mikrofonierung des Ride-Beckens ist in der Praxis oft nicht genügend Platz. Es ist daher legitim, das Ride-Becken wie in der nebenstehenden Abbildung gezeigt von unten abzunehmen.

Crash-Becken

Für die Abnahme der Crash-Becken ist es empfehlenswert, zwei Mikrofon in großem Abstand (ca. 1 m) über das Drumset zu hängen. Um einen räumlichen Eindruck zu erzeugen, müssen diese beiden Overhead-Mikrofone im Mischpult auf der Stereobasis verschoben werden: Da der Abstand zum Schlagzeug relativ groß ist, können auch Kondensatormikrofone verwendet werden. Sie übertragen die hohen Frequenzen im Allgemeinen besser als dynamische Mikrofone. Diese Mikrofone nehmen natürlich auch den Schall der andern Instrumente auf. Er kann sich positiv auf einen natürlichen und homogenen Gesamtklang des „Instrumentes Schlagzeug“ auswirken.

6.2.2.5 Gesang

Die Art der Musik – Rock, Jazz, Klassik, o.ä. - bestimmt in großem Maße, wie eine Gesangsstimme abgenommen wird: U-Musik

Bei dem Konzert einer U-Musik-Band werden auf der Bühne erhebliche Schalldrücke erreicht. Der Sänger wird das Mikrofon in der Regel in der Hand halten und es dicht zum Mund führen. Es sind daher für diese Situation spezielle Gesangsmikrofone zu empfehlen: Die Voraussetzungen bei einer Produktion im Studio sind andere: Klassische Musik

Klassische Sänger haben das Mikrofon äußerst selten in der Hand. Normalerweise Bleiben die Künstler auf einer Stelle stehen, und das Mikrofon wird mit einigem Abstand vor ihnen aufgebaut. Mikrofone für diesen Einsatz brauchen daher keinen besonderen Schutz gegen Pop- und Griffgeräusche. Klassische Konzerte werden normalerweise gar nicht bzw. nur sehr vorsichtig verstärkt. Daher besteht kein ausgeprägtes Risiko einer Rückkopplung. Falls gewünscht können daher auch ungerichtete Mikrofone verwendet werden.

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